FHEM - Warum ich keine Videos mehr mache

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FHEM - Warum ich keine Videos mehr mache
FHEM - Warum ich keine Videos mehr mache
  • Matthias Kleine
  • 16.01.2021
  • Grundlagen

In den letzten Tagen wurde ich vermehrt gefragt, warum denn keine Videos und Tutorials zu FHEM mehr kommen. Eine berechtigte Frage, denn immerhin habe ich damals mit diesem System angefangen und extrem viel Zeit darin investiert. Aber die Zeiten ändern sich und die Welt dreht sich weiter. Die Zahl der Wettbewerber ist groß: ioBroker, NodeRed, OpenHab und HomeAssistant sind nicht die einzigen da draußen, welche eine ähnliche Lösung auf die Beine stellen und immer beliebter werden.

Gehen wir einige Schritte zurück. Im Jahr 2013 habe ich das erste Mal von “Smart Home” gehört - wobei damals wohl kaum jemand dieses Wort genutzt hat. Zu der Zeit waren Systeme wie HomeMatic Classic, FS20 und einige 433MHz-Funklösungen aktuell. Meine erste Errungenschaft waren ein paar Intertechno-Zwischenstecker mit einer Fernbedienung. Diese wollte ich damals zeitgesteuert schalten. Und so kam ich zu FHEM und hatte so meine Schwierigkeiten die ersten Schritte zu machen. Nachdem das geglück war, habe ich einige Beiträge auf meinem Blog zur Softwareentwicklung geschrieben, welchen ich neben der Arbeit betrieben habe. Das ist jetzt fast 7 Jahre her und seitdem ist viel passiert.

Der schwierige Einstieg in FHEM war der Grund für dieses Projekt hier. Der Grund dafür, dass ich heute selbstständig bin und anderen bei ihren Projekten helfen kann. Eine Abkürzung durch tausende Blog- und Forenbeitrage zu bieten. So habe ich Anfang 2016 den YouTube-Kanal eröffnet und ein paar FHEM-Videos veröffentlicht. Aus heutiger Sicht sind diese natürlich eher peinlich und enthalten einige Fehler. Aber hey, das sind meine Wurzeln.

So kam es, dass ich immer mehr Videos veröffentlicht habe und die Leute diese sogar angeschaut haben (das ist eigentlich das größte Wunder). Mit der Zeit wurden so knapp 80 Videos über die Jahre erstellt, welche aber alle für sich standen und keinen roten Faden hatten. Mittlerweile wurde ich immer besser in FHEM und habe langsam die vielen kleinen verstreuten Tipps und Tricks gefunden. Dabei hat mir Jörg von meintechblog.de damals auch sehr geholfen.

Der erste FHEM-Kurs

Dann kam mir die Idee, einen Videokurs aufzunehmen. Dieser sollte kein Durcheinander sein, sondern einen roten Faden von A-Z bieten, wie man mit FHEM arbeitet und wie man es richtig macht. Falsche Anleitungen mit vielen Fehlern gab es (auch von mir) ja schon zu genüge. Diesen Kurs habe ich dann für ein paar Euro auf Udemy angeboten. Zu der Zeit hatte der YouTube-Kanal so um die 3.000 Abonnenten. Eigentlich verrückt, dass das funktioniert hat.

Nach kurzer Zeit hatte dieser Kurs dann hunderte Teilnehmer. Ich habe mit dem Kurs mehr Geld verdient, als mit meinem normalen Job und dachte mir: Wenn Leute bereit sind, für solche Inhalte einen kleinen Betrag zu bezahlen - wie wäre es dann erst, wenn ich mich selbstständig mache und noch mehr Informationen liefern kann. So habe ich Ende 2017 meinen Job gekündigt und mich Vollzeit FHEM und dem Thema Smart Home gewidmet. Alles schien also perfekt.

Also hatte ich viel Zeit, mich weiter mit dem Thema auseinander zu setzen und weitere Inhalte zu erstellen. Die meiste Zeit saß ich an kostenfreien Inhalten für den YouTube-Kanal und an etlichen Mails und Fragen, welche andere FHEM-Nutzer hatten. Mein Ziel war immer (und ist es bis heute), maximalen Mehrwert zu bieten. So viel wie in den kommenden Jahren habe ich noch nie zuvor gearbeitet. 10 bis 12 Stunden am Tag - auch am Wochenende. Denn ich wollte weg von Udemy und meine eigene Plattform aufbauen. Als Softwareentwickler aus dem eCommerce-Umfeld, war das glücklicherweise relativ leicht umsetzbar.

Die ersten Probleme

Aber mit dem Erfolg kam auch Gegenwind. Aus der FHEM-Community bekam ich einige seltsame Nachrichten (per Sie) und es wurde öffentlich diskutiert, was genau “Herr Kleine” eigentlich in sein Impressum schreiben muss und wie man mit mir als “kommerzieller Nutzer” denn umgehen soll. Dabei habe ich mich als Teil der Community gesehen - mir wurde tausendfach von Zuschauern bestätigt, wie hilfreich die Inhalte sind und dass sie durch mich erst FHEM richtig verstanden haben. Und dann sowas.

Im FHEM-Forum war man allerdings eher der Meinung, dass ich mich doch selbst um “meine Nutzer mit ihren Problemen” kümmern solle. Das kam öfter zur Sprache, wenn jemand eine Frage mit einem Link zu einem meiner unzähligen kostenlosen Videos/Blogbeiträge geteilt hatte. Man wollte also irgendwie, dass ich mich dort fern halte und mein eigenes Ding mache. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass dem so war. Also habe ich alle meine Forenbeiträge gelöscht und mich nicht weiter beteiligt.

In der Zwischenzeit habe ich natürlich wieder extrem viel gerlent und eine weitere Version des FHEM-Kurses veröffentlicht. Das Update gab es für alle bisherigen Teilnehmer des Kurses völlig kostenfrei. Und das, obwohl mehrere Monate Arbeit in so einem Kurs stecken. Mein Ziel war es nie, möglichst viel Geld zu verdienen. Bis heute habe ich z.B. keine Werbeanzeige geschaltet und lebe von Empfehlungen (tausend Dank dafür!). Ich wollte einfach nur das machen, was mir Spaß macht und was anderen weiter hilft.

Also habe ich angefangen, eigene Module für FHEM zu entwickeln. Unter anderem auch ein recht beliebtes Theme, welches das doch sehr in die Jahre gekommene FHEM-Design ablösen sollte. Auch das hat sehr viel Zuspruch und hunderte aktive Nutzer bekommen. All diese Infos sind auf GitHub gelandet. Ich hatte keine Lust auf SVN (und die FHEM-Community ja scheinbar auch nicht auf mich). So wurde zum Beispiel auf eine Rückfrage zu dem Kurs im FHEM-Forum mit Beiträgen wie “rausgeworfenes Geld”, “nicht Empfehlenswert”, “langweilig und inhaltlich falsch”, uvm. kommentiert.

Dazu sollte man sagen, dass keiner der scharfen Kritiker den Inhalt des Kurses je gesehen hat. Und trotzdem werden solche Sprüche rausgehauen. Als Grundlage für solche Aussagen wurden meine ersten YouTube-Videos aus dem Jahr 2016 als “Qualitätsmerkmal” genommen. Über tausend Teilnehmer und durchweg positive Rezensionen wurden da einfach mal übersehen. Eine Hand voll Nutzer hatte sich also auf die Fahne geschrieben, einfach nur gegen mich und meine Inhalte zu sein.

Und trotzdem - ich habe weiter gemacht und mich davon nicht beirren lassen. Ich fand es sehr schade, da ich mir das damals alles anders ausgemalt habe. Immerhin habe ich nur eine Lücke geschlossen, welche die Entwickler selbst nicht schließen konnten. Wäre alles gut dokumentiert und einsteigerfreundlich, wären die Inhalte wohl nicht so beliebt geworden, oder? Was ich als Win-Win-Situation gesehen habe, wurde von anderen nur als Kommerzialisierung ihrere Arbeit gesehen. Ein Stück weit kann ich das sogar nachvollziehen.

Wie man sieht, ist die “Kern-Community” rund um FHEM etwas … speziell. Ich bekomme sehr häufig Nachrichten mit Fragen - Fragen, welche die Nutzer nicht mehr im FHEM-Forum stellen möchten, weil der Ton dort sehr (Zitat) “arrogant” ist. Das wurde mir in den letzten Tagen auf Facebook auch öfter bestätigt.

Wo möchte FHEM hin?

Jetzt, wo Du meine Geschichte kennst, kommen wir zur Ausgangsfrage dieses Beitrags. Warum mache ich keine FHEM-Videos mehr?

Ich habe mir also die Frage gestellt, wo FHEM eigentlich hin möchte. Die Webseite hat sich in den letzten 7 Jahren nicht geändert. Das Design von FHEM selbst hat sich nur in Details verändert und schreckt weiter Nutzer ab. Kritik bleibt ungehört und man möchte eher unter sich bleiben. Es ist also mehr ein kleines Projekt von einer Hand voll Entwicklern, welche sich eine Smart Home Lösung nach ihren Vorstellungen bauen und das Ganze auch anderen zugänglich machen. Und das ist auch total in Ordnung!

Scheinbar möchte man keine neuen Nutzer haben. Und man möchte auch keine “kommerziellen Nutzer” wie mich. Man braucht niemanden, der das Projekt weiter bringt. Man möchte nicht, dass viele Entwickler dort mitmischen. Und das ist wie gesagt okay für mich. Nur passt das eben nicht zu mir. Das habe ich nur etwas spät verstanden, weil ich FHEM doch eigentlich sehr mag.

Was bedeutet das?

Nehmen wir mal ein paar Zahlen. Ich habe Anfang 2018 (also vor fast 3 Jahren) ein Video gemacht, welches ein paar Zahlen dokumentiert:

FHEM-Kurs

Vergleichen wir also diese Zahlen mit heute:

  FHEM 2018 FHEM 2021 Veränderung ioBroker 2018 ioBroker 2021 Veränderung
Foren-Beiträge 735.000 1.093.285 + 48,75% 120.000 558.100 + 365,08%
Foren-Themen 75.000 107.110 + 42,81% 10.000 40.700 + 307,00%
Foren-Mitglieder 21.000 22.450 + 6,9% 5.000 34.700 + 594,00%
Google-Ergebnisse 550.000 644.000 + 17,09% 105.000 547.000 + 420,95%

Wie man sieht, stagniert die Nutzerbasis bei FHEM fast. 7 Prozent mehr Nutzer in drei Jahren ist nicht gerade top. Aber wie gesagt, völlig okay wenn das nicht das Ziel ist. Und meiner Meinung nach kann das kein Ziel sein - denn sonst würde man mehr für die Außenwirkung tun.

Aber das sind nur Zahlen. Am Ende fühle ich mich bei ioBroker einfach wohler. Die Community nimmt mich auf, ich beteilige mich aktiv im Forum, habe schon etliche Adapter entwickelt und mir macht es Spaß ein Teil davon zu sein. Genauso unterstütze ich das ioBroker-Projekt finanziell, indem ein Teil der Kurseinnahmen an die Core-Entwickler zurück fließt. Und das macht das Projekt wieder besser! Win-Win-Win also.

Und ja, FHEM hat bei einigen Schnittstellen nach wie vor die Nase vorn. Aber der Rückstand schwindet von Tag zu Tag - denn die Anzahl der Entwickler und Nutzer ist bei ioBroker deutlich höher und das Projekt wächst wesentlich schneller. Aber darum sollte es hier ja nicht gehen.

Die Frage ist, wie geht es weiter? Und: Kann man FHEM bei den aufstrebenden und schnell wachsenden Alternativen noch ruhigen Gewissens empfehlen?

Fazit

Ich wollte nie jemandem in der FHEM-Community schaden. Auch heute nicht. Das ist gar nicht meine Art. Die Idee war und ist, anderen bestmöglich zu helfen. Nur geht das eben nicht mit Luft und Liebe. PayPal-Links mit Spendenaufrufen von Entwicklern sind ja scheinbar völlig okay. Einen Videokurs mit etlichen Stunden Material anzubieten, wohl eher nicht. Wo liegt der Unterschied?

Ich habe viel mitgemacht und am Ende war es auch nur eine Hand voll Leute, die aktiv gegen mich arbeiten. Einige haben sich später auch persönlich bei mir entschuldigt. Ich erspare mir Namen. Natürlich gibt es auch extrem viele super nette und hilfsbereite Menschen dort. Bitte nicht falsch verstehen!

Ich habe FHEM viel zu verdanken - sehr sehr viel! Immerhin hat dieses Projekt mein Leben wortwörtlich verändert und meine Selbstständigkeit ermöglicht. Dafür bin ich unendlich dankbar! Deswegen bin ich auch weiter für die Teilnehmer im FHEM-Kurs da und helfe wo ich kann. Aber bitte seht mir nach, wenn ich mich nicht mehr zu 100% diesem Projekt widme. Denn ich möchte kein Dorn im Auge sein und an irgendwelchen Fronten kämpfen, sondern einfach nur anderen Menschen helfen ein intelligentes Zuhause aufzubauen. Und das geht eben auch mit anderen Lösungen wundbar.

Am Ende hoffe ich einfach nur, dass Du meine Entscheidung jetzt ein bisschen besser nachvollziehen kannst.

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