KNX IoT – relevanter als gedacht?

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KNX IoT – relevanter als gedacht?
KNX IoT – relevanter als gedacht?
  • 24.04.2026
  • Level 1
  • IoT
  • Grundlagen

Seit vielen Jahren hört man immer mal wieder von dem Begriff KNX IoT. Aber was steckt eigentlich dahinter? Und wann wird das Thema relevant für mich? Kann man das komplett ignorieren, oder geht die Entwicklung da weiter? Die ersten Beiträge dazu sind über 8 Jahre alt! Und viel getan hat sich (gefühlt) erstmal nicht. Die Geräteauswahl ist bis heute auch sehr dünn. Oder ich habe etwas übersehen.

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Update 05/2026

Ich habe einen netten Austausch mit Alexander Burker. Er arbeitet

  • Seeed Studio XIAO Module sind für die Demos optimal (z.B. XIAO 6-Cannel WiFi 5V DC Relay für die LSAB Demo)
  • Espressif nur WiFi, weil Espressif noch Bugs unter Zephyr 4.3.0 im OpenThread Stack hat

KNX IoT 3rd Party API

Ein standardisierter Zugang zur KNX-Welt: Die KNX IoT 3rd Party API ist eine in den KNX-Spezifikationen (Kapitel 3/10/4) standardisierte RESTful-Schnittstelle, über die externe Anwendungen mit einer KNX-Installation kommunizieren können — abgesichert per HTTPS und OAuth 2.0. Statt wie bisher auf herstellerspezifische Gateways und proprietäre Protokolle angewiesen zu sein, finden Softwareentwickler hier einen einheitlichen, vom Hersteller unabhängigen Weg, um Datenpunkte zu lesen, zu schreiben und Ereignisse zu abonnieren.

Der eigentliche Mehrwert liegt aber tiefer als in der reinen API: Dank des KNX Information Model (KIM) liefert der Server nicht nur Rohwerte, sondern semantisch angereicherte Daten — also Informationen darüber, was ein Wert bedeutet, zu welchem Raum oder Funktionsbereich er gehört und wie er interpretiert werden soll. Damit wird KNX anschlussfähig an moderne IoT-Plattformen, Cloud-Services, Analytics-Lösungen und Building-Management-Systeme, ohne dass Entwickler KNX-Spezialisten sein müssen.

Zielgruppe sind entsprechend alle, die über die klassische Gebäudeautomation hinausdenken: Softwareentwickler und Systemintegratoren, die Dashboards, Apps oder Energiemanagement-Tools bauen; Facility-Management- und Smart-Building-Anbieter, die Daten aus vielen Liegenschaften einheitlich auswerten wollen; sowie Hersteller, die ihre eigenen Cloud-Dienste an KNX-Installationen anbinden. Kurz gesagt: Die 3rd Party API ist der Brückenschlag zwischen der etablierten KNX-Gebäudetechnik und der IT-Welt — standardisiert, sicher und endlich herstellerneutral.

KNX IoT Point API

KNX über IPv6 direkt auf dem Gerät: Die KNX IoT Point API ist die zweite Säule von KNX IoT und in den KNX-Spezifikationen unter Kapitel 3/10/5 standardisiert. Anders als die 3rd Party API, die sich an externe Anwendungen richtet, ist die Point API eine Geräte-zu-Geräte-Schnittstelle: Sie definiert, wie ein KNX-Gerät direkt über IPv6 kommuniziert — ohne Twisted Pair, ohne klassisches KNXnet/IP.

Technisch basiert sie auf CoAP als Transportprotokoll und CBOR als kompaktem Nachrichtenformat, beides etablierte Standards aus der IoT-Welt. Als Übertragungsmedium kommen Ethernet, Wi-Fi oder Thread in Frage — letzteres besonders spannend, weil Thread als stromsparendes Mesh-Netzwerk gerade im Wohn- und Gewerbebau zunehmend verbaut wird.

Der eigentliche Clou: Obwohl der Transport komplett neu ist, nutzt die Point API dieselben Funktionsblöcke, dieselbe S-Mode-Kommunikation und dieselbe ETS-Konfiguration wie klassische KNX-Geräte. Für Installateure und Planer bleibt das Arbeitsmodell vertraut, während Gerätehersteller Zugang zu moderner, IP-nativer Hardware bekommen. Der Mehrwert liegt damit auf zwei Ebenen: Hersteller können kostengünstige, funkbasierte KNX-Geräte auf Basis weit verbreiteter IoT-Chipsätze entwickeln — ohne proprietäre KNX-Hardware-Designs — und Endkunden erhalten eine KNX-Installation, die nahtlos mit bestehender IP-Infrastruktur zusammenarbeitet, dabei aber die vollen KNX-Eigenschaften (Interoperabilität, Herstellerneutralität, ETS-Konfiguration, Security) behält.

Zielgruppe der Point API sind damit vor allem Gerätehersteller und Chipset-Partner, die KNX-Produkte auf IPv6-Basis bauen, sowie indirekt alle Planer und Integratoren, die in Zukunft mit einer breiteren, günstigeren und drahtlos verfügbaren KNX-Gerätelandschaft arbeiten werden.

KNX IoT Router

Das Bindeglied zwischen klassischer und IP-nativer KNX-Welt: Der KNX IoT Router ist die Komponente, die die beiden KNX-Welten zusammenbringt: die etablierte klassische Installation auf Basis von Twisted Pair (TP), Radio Frequency (RF) oder KNXnet/IP einerseits und die neue, IPv6-native KNX-IoT-Welt mit CoAP-basierter Kommunikation andererseits. Seine zentrale Aufgabe ist das transparente Routing von Gruppentelegrammen zwischen diesen Welten — ein Befehl, der auf einem klassischen TP-Taster ausgelöst wird, erreicht über den Router einen Thread-basierten IoT-Aktor und umgekehrt, ohne dass Applikationen oder Nutzer etwas von der Technologiegrenze mitbekommen. Technisch ist der IoT Router ein Gateway zwischen KNX TP, RF oder IPv4 und KNX IoT Geräten; er kann als eigenständiges Gerät ausgeführt sein oder in andere Netzwerkkomponenten integriert werden — etwa in Kombination mit einem Thread Border Router, wodurch sich IP-Backbone, Thread-Mesh und klassischer KNX-Bus in einem einzigen Gerät bündeln lassen. Konfiguriert wird der Router wie jede andere KNX-Komponente über die ETS, womit das vertraute Planungs- und Inbetriebnahme-Modell erhalten bleibt.

Der Mehrwert liegt vor allem in der Migrationssicherheit: Bestehende KNX-Installationen müssen nicht auf einen Schlag modernisiert werden, sondern können schrittweise um IoT-Komponenten erweitert werden — etwa wenn neue Gebäudeteile drahtlos angebunden werden sollen oder wenn kostengünstige Thread-Sensorik nachgerüstet wird. Wichtig zu wissen: Der IoT Router ist genau dann erforderlich, wenn klassische und IoT-Welt miteinander sprechen sollen. In reinen KNX-IoT-Installationen ohne TP, RF oder klassisches KNXnet/IP wird er nicht benötigt. Dort kommunizieren die Geräte ohnehin direkt über IP.

Zielgruppe sind damit primär Planer und Integratoren, die Bestandsanlagen erweitern oder hybride Neubauten realisieren, sowie Hersteller, die IoT-Router als eigenständige Produkte oder als integrierte Funktion in Gateway-, Interface- oder Border-Router-Lösungen anbieten.

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