Babboe Lastenrad: Unser Curve-E wartet ewig auf Teile

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Babboe Lastenrad: Unser Curve-E wartet ewig auf Teile
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Okay, das Thema ist ziemlich off-topic für diesen Blog. Aber: Ich finde kaum öffentliche Informationen zu den Lastenrädern und der Rückrufaktion von Babboe, sodass ich unsere Erfahrungen einmal zusammentragen möchte. Denn seit über zwei Jahren passiert hier nichts mehr. Noch schlimmer: Mittlerweile hat der Mutterkonzern Accell Insolvenz angemeldet. Eventuell steht hier also ein sehr teures Fahrrad, welches nie wieder repariert werden kann und an dem noch Teile getauscht werden müssten. Aber ob das jemals passiert?

Kurz vorab: Je nach Modell unterscheidet sich die Vorgehensweise bei Babboe. Manche Modelle wurden komplett ausgetauscht, manche wurden ausgebessert bzw. repariert/umgerüstet und manche sind/waren gar nicht betroffen. Ich weiß nicht, ob Rückruf dabei generell das richtige Wort ist. Jedenfalls gibt es bestätigte Mängel am Lastenrad. Und genau darum dreht sich dieser Beitrag.

Unser Rad: Babboe Curve-E#

Über Kleinanzeigen haben wir vor einigen Jahren (2023) ein gebrauchtes Lastenrad von Babboe gekauft. Konkret ist es ein Babboe Curve-E aus erster Hand. Also die elektrische Version, aber nicht die Mountain-Variante mit Mittelmotor. Das Rad hatte nur wenige Kilometer (ca. 400 km) auf dem Tacho, hatte einiges Zubehör inklusive und wurde sehr pfleglich behandelt.

Ist unser Rad betroffen?#

In einem Blog-Beitrag von Babboe (siehe unten) wird beschrieben, dass unser Modell nicht unmittelbar vom Rückruf betroffen sei. Es fällt in die zweite Kategorie: Modelle, die inspektiert/repariert werden:

Die folgenden Modelle fallen nicht unter den Babboe Rückruf und können nach einer Inspektion/Reparatur wieder bedenkenlos genutzt werden: [...] Babboe Curve (E) [...]

Wenn sich nach Eingabe deiner Babboe Rahmennummer herausstellt, dass eine Inspektion/Reparatur erforderlich ist, kannst du bei deinem Fahrradhändler oder einem Babboe-Partner in deiner Nähe einen Termin zur Inspektion/Reparatur vereinbaren.

Der ADAC schrieb im Juli 2024:

Eine Untersuchung ergab, dass alle anderen Babboe-Modelle weitergefahren werden können. Kundinnen und Kunden sollten jedoch dringend einen Termin für eine kostenlose Inspektion bei einem qualifizierten Fahrradhändler vereinbaren.

Okay, also muss jemand das Rad anschauen und ggf. nachbessern. Und genau hier beginnt das Problem. Aber eins nach dem anderen. Wir haben in der Zwischenzeit viel durchgemacht.

Das ist (bisher) passiert#

In diesem Abschnitt möchte ich die einzelnen Schritte dokumentieren. Das Thema zieht sich jetzt schon über zwei Jahre. Komischerweise findet man kaum Erfahrungsberichte. Auch in den gängigen Foren ist es relativ ruhig. Fast so, als ob nicht mal jeder Besitzer von der Aktion etwas mitbekommen hat und alle einfach weiterfahren.

Februar 2024: Info zur Problematik#

Am 15.02. schreibt Babboe uns direkt, dass die NVWA Mängel an bestimmten Lastenrad-Modellen festgestellt hat. Der Verkauf sämtlicher Lastenräder wurde vorsorglich eingestellt. Wir sollten auf weitere Informationen warten.

Am 17.02. wurde die Info nachgereicht, dass wir unser Lastenrad vorerst nicht mehr verwenden sollen und zeitnah eine weitere Info über die nächsten Schritte folgen wird.

März 2024: Teilweise Entwarnung#

Am 05.03. folgt die Info, dass es sich um zwei konkrete Modelle handelt (City [E] und Mini [E]). Weitere Maßnahmen bezüglich anderer Modelle werden mit der Behörde abgestimmt. Über die Webseite kontrollieredeinenrahmen.de kann man seine Rahmennummer hinterlassen, um über weitere Schritte zum eigenen Modell schneller informiert zu werden.

Diese Webseite ist mittlerweile nicht mehr online.

April 2024: Klarheit?#

Am 05.04. kam eine weitere Mail von Babboe, dass neben den Modellen City und Mini auch noch die City Mountain und Pro Trike bzw. Transporter-Modelle betroffen sind. Außerdem wurde die Webseite kontrollieredeinlastenrad.de genannt, wo man weitere Schritte für sein Rad erfragen kann.

Weiterhin gab es in der gleichen Mail die Info, dass alle anderen Modelle weitergefahren werden können. Es wurde allerdings eine dringende Empfehlung ausgesprochen, das Rad bei einem Fachhändler einer kostenlosen Inspektion unterziehen zu lassen.

Außerdem wurde eine Entschädigung für alle Besitzer in Aussicht gestellt.

Am 06.04. bekamen wir direkt die Info, dass unser Rad eine Inspektion braucht (wegen Eingabe der Rahmennummer auf der genannten Seite). Wegen des hohen Andrangs sei das natürlich nicht so einfach zu koordinieren.

August 2024: Info zur Inspektion#

Am 19.08. kam eine E-Mail, dass wir uns in ein Formular auf einer Webseite eintragen lassen können. Bei unserem GWA-Modell könnte es außerdem sein, dass das Steuergerät des E-Antriebs getauscht (?) werden muss. Deshalb sollte man den Typ angeben, damit ggf. auch das Elektrosystem bei der Inspektion geprüft wird.

Am 21.08. folgte (nach Eingabe der Formulardaten) eine E-Mail, dass das Elektrosystem im Zuge der Inspektion aktualisiert werden muss. Weiterhin hieß es:

Achtung! Nach der Inspektion nehmen wir in einer späteren Phase zum Austausch nicht sicherheitsrelevanter Teile noch einmal Kontakt mit Ihnen auf. Dein Lastenrad darf in der Zwischenzeit gefahren werden.

Diese wollten wir auch zeitnah durchführen lassen. Es war allerdings sehr schwierig, einen Termin zu bekommen, da auch die Fahrradhändler kaum oder gar keine Infos über den Prozess hatten. Wir wurden immer wieder vertröstet und sind wieder das Rad gefahren.

November 2024: Es geht nicht weiter#

Wir haben per Mail selbst bei Babboe nachgefasst, was denn jetzt der Stand der Dinge ist. Dort bekamen wir die Auskunft, dass unser Rad ein Inspect & Repair-Fahrrad ist. Es muss also noch etwas getan werden nach der Inspektion. Das wussten wir ja schon. Aber: In der Mail wurde explizit gesagt, dass wir das Rad bis zur Inspektion nicht fahren sollten. Also eine komplett gegenteilige Aussage zu den (automatisch verteilten) Mails vor wenigen Monaten.

Uns wurde aber garantiert, dass unser Rad zwei Phasen durchlaufen wird: Erst mal nur Inspektion, später Reparatur. Zum genauen zeitlichen Ablauf könne man aber noch nichts sagen.

Zwischenzeitlich haben wir mit diesen Infos nochmal auf eine Inspektion bei einem lokalen Fahrradhändler gedrängt, sodass diese endlich am 26.11. stattfand. Allerdings ohne Beanstandungen.

Dezember 2024: Ein Gutschein#

Juhu, wir können uns etwas im Shop aussuchen. Ein kostenloses Zubehörteil einer bestimmten Kategorie. Naja, wir haben uns eine Sitzauflage (Kissen) bestellt und sind weitergefahren. Laut Inspektion war ja alles okay.

Dann wieder: Funkstille.

Oktober 2025: Babboe fragt, was los ist#

Wir bekommen eine automatisierte Mail, dass unser Rad noch nicht umgerüstet ist (ach was?). Wir finden keinen Händler, der die Umrüstung machen möchte. Babboe scheint in der Vergangenheit nicht gerade als Partner geglänzt zu haben. Ich denke, dass die Bezahlung dieser Aufträge auch nicht sonderlich gut ist.

Uns wurde auf Nachfrage empfohlen, den Suchradius auf 50 km zu vergrößern. Für ein Lastenrad, welches man nicht mal eben so in den Kofferraum packen kann, fanden wir den Vorschlag ein wenig schwierig.

Wir haben gefragt, ob wir nicht das Umrüstkit selbst bekommen könnten. Wir würden es auch selbst verbauen (ohne zu wissen, was genau zu tun ist). Es schien erst mal ziemlich aussichtslos.

Aber anscheinend ist im Hintergrund doch etwas passiert.

Oktober 2025: Yeply meldet sich#

Eine mobile Fahrradwerkstatt aus Hamburg soll sich um die Umrüstung des Lastenrades kümmern. Das Rad soll direkt bei uns zu Hause umgerüstet werden und wir sollen eine Adresse mitteilen, damit uns ein Termin vorgeschlagen wird. Der nächste Satz klang vielversprechend:

Der gesamte Prozess sollte nicht mehr als einige Wochen dauern. [...] Der Weg zu deiner Umrüstung ist jetzt nicht mehr lang!

Einen Tag später haben wir auf die Mail mit allen gewünschten Infos geantwortet. Kurz danach kam die Bestätigung, dass das Umrüstkit bestellt wurde und uns danach ein Termin angeboten wird.

Dann war wieder Ruhe. Hier noch ein Zitat aus dem Yeply-FAQ zur Unterhaltung:

Yeply ist ein altes englisches Wort, das schnell und augenblicklich bedeutet.

Info: Auf der Yeply-Webseite steht, dass die Onnea UG für den deutschen Markt verantwortlich ist. Die ursprüngliche Yeply Germany GmbH befindet sich seit 2023 ebenfalls in einem Insolvenzverfahren (Aktenzeichen 67h IN 273/23). Angaben ohne Gewähr. Geschäftsführer/Inhaber der Onnea UG ist ein Patrick Phillips-Laneve, welcher anscheinend auch unsere Mails teilweise bearbeitet hat.

März 2026: Ein Lebenszeichen#

Wir fragten regelmäßig per Mail nach dem Stand (wenige Wochen sind ja schon um). Es folgte am 10.03. eine Antwort, dass Yeply sehr bald alle benötigten Informationen und das entsprechende Umrüstkit erhalten sollte. Was auch immer das heißen soll. Zeitangaben sind ja eh nicht so genau zu nehmen bisher.

Dann war wieder Ruhe. Das war die letzte Mail von Yeply.

Mai 2026: Rückfrage bei Babboe#

Eine Mitarbeiterin von Accell meldet sich auf Nachfrage per Kontaktformular. Sie hat angeblich mit dem Geschäftsführer (Herr Dvorak) von Yeply gesprochen und versucht, unseren Fall zu priorisieren.

Juni 2026: Babboe will den Fall schließen#

Wir bekommen eine automatische Mail, dass unser Fall (bzw. die Anfrage über das Kontaktformular) noch offen ist. Sollten sie nichts von uns hören, wird der Fall am 05.06.2026 abgeschlossen. Nett.

Wir haben natürlich innerhalb von 20 Minuten geantwortet, dass wir auf eine Rückmeldung von Yeply warten.

August 2026: Accell-Insolvenz#

Auf der Seite von Babboe steht mittlerweile, dass Accell insolvent ist. Zu diesem Konzern gehört auch die Marke Babboe:

On 5 August 2026, the Dutch Accell entities (Accell NL), which include the Babboe activities, applied for (provisional) suspension of payments. The suspension of payments was granted on the same day. On 11 August 2026, the suspension of payments was converted into a bankruptcy.

As a result of the bankruptcy, ongoing inspections, repairs, upgrades or replacements under the recall will no longer be carried out. We advise you to retain your records and any previous correspondence with Babboe.

September 2026: Ein letzter Strohhalm?#

Eine Freundin meiner Frau arbeitet mittlerweile zufällig in einem Fahrradladen. Auf unsere Nachfrage hat sie unsere Rahmennummer in das Portal von Accell eingegeben. Dort steht, dass bereits ein anderer Händler ein Umrüstkit bestellt hat. Entsprechend hatte sie keine Möglichkeit, ein solches Kit in ihren Laden zu bestellen. Yeply bzw. die Onnea UG hat den Fall wahrscheinlich noch offen. Von denen hören wir aber bis heute nichts.

Außerdem haben wir nochmal eine Mail an Yeply (Onnea UG) geschrieben. Ich kann total verstehen, dass sie den Auftrag nicht mehr durchführen wollen, da sie durch die Insolvenz wahrscheinlich nicht mehr von Accell bzw. Babboe für den Tausch bezahlt würden. Erst mal wollte ich erfragen, ob sie überhaupt je ein Kit erhalten haben und ob es generell eine Möglichkeit gibt, dieses (auf unsere Kosten) zu versenden, damit wir es (ebenfalls auf unsere Kosten) bei einem Händler in der Nähe einbauen lassen können. Wir haben noch einmal klargemacht, dass wir keinen Stress wollen, sondern einfach nur wieder unser Rad sicher und mit gutem Gewissen auf die Straße bringen.

Zwischenzeitlich habe ich auch noch zwei Mitarbeiter der Onnea UG über LinkedIn angeschrieben.

Oktober 2026: Yeply meldet sich#

Wir bekommen endlich eine Antwort von Yeply. Das Problem ist erst mal rechtlich: Das Umrüstkit gehört Accell und ist somit Teil der Insolvenzmasse. Damit sie das versenden dürfen, brauchen sie eine schriftliche Bestätigung des Herstellers. Das wird natürlich schwierig, da Accell momentan andere Probleme hat. Denn dort wurden bereits einzelne Posten der Insolvenzmasse verkauft:

Wie Thijs Hekman von AKD und Erik Schuurs von Jones Day am 30. September mitteilten, geht der Fahrradbestand von Accell Nederland an den Händler 12Go Biking.


Links


FAQ (häufig gestellte Fragen)

Nicht direkt. Das Curve (E) fällt laut Babboe nicht unter den eigentlichen Rückruf, muss aber inspiziert und ggf. repariert bzw. umgerüstet werden. Bei bestimmten Modellen wird zusätzlich das Elektrosystem aktualisiert.

Die Aussagen waren widersprüchlich: Automatisch verschickte Mails erlaubten das Fahren, eine persönliche Antwort des Supports riet bis zur Umrüstung davon ab.

In unserem Fall warten wir seit über zwei Jahren. Die Inspektion fand im November 2024 statt, die Umrüstung durch Yeply ist bis heute nicht erfolgt.


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